Wähle Dich selbst

»Die unheilvolle Neigung, über die Dinge nicht mehr nachzudenken, sobald sie nicht mehr zweifelhaft sind, hat die Hälfte aller menschlicher Irrtümer zu verantworten Blaise Pascal

 

Lieber Mitmensch,

ich hoffe, es geht Dir, den Umständen entsprechend, gut. Die »Wahlen« stehen vor der Tür und ich dachte, dass ich auch einmal meinen Senf dazu gebe. Wie immer ist es schwierig, das Einfache in Worte zu fassen. Vor allem dann, wenn sich der Verstand dagegen wehrt, die Banalitäten zu akzeptieren.

Politik ist eine dieser Banalitäten, die die Menschheit nicht wirklich braucht. In einer kooperierenden Gesellschaft wäre sie komplett überflüssig. Sie ist die »Spalttablette« der Gesellschaft. Ideologen, Propagandisten, staatliche Institutionen, Regierung, Parlament, Parteien, Denkfabriken und Medien des »Systems« halten Dich ruhelos in Beschäftigung und Bewegung und lenken Dich von Themen ab, welche die Gesellschaft tatsächlich humanistisch werden lassen könnten. Sie sorgen dafür, dass Du orientierungslos umher irrst. Mittels Parteipolitik, Bürokratie, Unterhaltung, Werbung, Konsum, sinnloser Tagespolitik in Form von »Nachrichten«. Informationen und Daten, ohne echte Zusammenhänge und Lösungsansätze, dafür mit viel Konfliktpotential. Das Schlimmste sind das Schüren von Ängsten, Misstrauen und von Zwist unter Menschen. Mit (Pseudo)Themen werden die Menschen gefesselt wie in »Platons Höhle«, vom eigenständigen Denken und sinnvollen Handeln abgehalten.

Den ganzen Text findest Du hier: http://gutenberg.spiegel.de/buch/politeia-4885/1

Selbst kritische Geister, auch Blogger und »alternative« Medien, arbeiten sich an solchen vorgegebenen Themen ab wie Don Quijote an den Windmühlen. Gefilterte, gelenkte »Nachrichten«, darunter jede Menge »Geopolitik« [Geopolitik ist die Politik der Vermögenden und (Börsen)Spekulanten. Sie dient gleichzeitig der Manipulation des »kleinen Mannes« zur ideologischen Kriegsvorbereitung.]. Schau in die Zeitung oder auf die Online-Angebote der Medien, ausländische Medien bilden keine Ausnahme, und stelle Dir bei jeder Überschrift die Frage:
Ist das für mein Leben tatsächlich wichtig? Sind die Daten/Informationen irgendwie problemlösungsrelevant?

Warum sollte Dich die persönliche Meinung von irgendwelchen Partei-, Parlaments-, Fraktions- oder Regierungsführern interessieren? Wildfremde Menschen mit Plänen, die nicht Deine sind. Der einzige Grund für Dein Interesse dürfte sein, dass Du ein besonderes Verhältnis zu ihnen pflegst, wie ein Knecht zu seinem Herrn. So lange Du andere für Dich denken und machen lässt, wird sich rein gar nichts ändern.
Wahlkampfzeit(!) und Du wirst geistig mit leeren Wahlversprechen, platten Parolen und Partei-Propaganda zugemüllt. Von allen Seiten. Wie die Marktschreier übertönen sich die Sprachrohre der politisch-ideologischen Gruppen. Jeder will der Beste sein. Wenigstens im Phrasendreschen. Es sind die gleichen Schreihälse, die zuschauen oder es sogar organisieren, dass sich die gesellschaftliche Spirale abwärts dreht. Einkommens-, Obdachlosigkeit, HartzIV, im Müll wühlende Rentner, verfallende Infrastruktur, Privatisierung, menschenununwürdiger Mindestlohn, Leiharbeit, miese Jobs … massive Ausweitung der Überwachung der Menschen, Staatsschulden oder das Geldsystem fallen nicht vom Himmel oder sind gottgewollt. Nein, Menschen sind dafür verantwortlich (Verantwortung nicht Schuld). Und zwar jene, die gewählt werden wollen/wurden und jene, die sie wählen/wählten. Ja, auch die Wähler. Auch Du, wenn Du sie wählst. So sind die Regeln. Wahlen sind eine konkludente Willenserklärung zur gesellschaftlichen Ordnung. In ihnen versteckt sich die grundsätzliche Befürwortung der bestehenden Verhältnisse. Freerk Huisken wirft das Thema im folgenden Text auf:

 

»Was man Heranwachsenden zum Thema ‚Wahlen’ sagen müsste, was ihnen aber viel zu selten gesagt wird

 

… Die Teilnahme an der freien, gleichen und geheimen demokratischen Wahl durch die Wahlbürger ist also nicht allein Zustimmung zum Regiertwerden; sie ist zugleich die Zustimmung zu einem in seinen Grundprinzipien feststehenden Regierungsprogramm des bürgerlichen Staatswesens. Jede Wahlbeteiligung ist der Sache nach – da mag der Wähler denken was er will – zugleich die Zustimmung zur Marktwirtschaft, zum Nationalstaatsprinzip, zur Existenz einer Staatsgewalt mit Gewaltmonopol, zum Interesse an imperialem Zugriffe auf andere Staaten usw. All das steht fest, weil nichts davon zur Wahl gestellt wird. All das ist beim Gang zur Urne geradezu als zustimmungspflichtig unterstellt. Dass das Regierungsgeschäft gerade nicht an irgendein partikulares Wählerinteresse gebunden ist, und dass die von der gewählten Mehrheit gebildete Regierungsmannschaft wenigstens für eine Wahlperiode freie Hand hat, ist die gewünschte Leistung des demokratischen Verfahrens. Wo sich Parlamentarier nach ihrer Ermächtigung durch das Volk als Regierungsfraktion und Opposition frei von Volkswünschen ihrer großen nationalen Aufgabe widmen, da geht das Regieren leicht; und dies fällt den Gewählten in dem Maße leichter, wie das Volk immer wieder aufs Neue alle vier Jahre zur Wahlurne schreitet und mit der Stimmabgabe zugleich die Zuständigkeit für die eigenen Interessen abgibt. Es darf nicht verwundern, dass alle Parteivertreter, die sich im Wahlkampf noch wechselseitig die Befähigung zum Führen der Staatsgeschäfte abgesprochen haben, nach der ersten Hochrechnung gemeinschaftlich sehr interessiert die Wahlbeteiligung begutachten. Ist sie ihnen doch ein Indiz dafür, wie sehr das Volk trotz – oder vielleicht sogar wegen – seiner notorischen Unzufriedenheit mit den Ergebnissen der Politik bereit ist, erneut den Gewählten die Entscheidung zu übertragen, dass es weiter regiert werden will…«

Den ganzen Text findest Du hier: http://fhuisken.de/Wahlen%20Cortax.rtf

Ausnahmsweise Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Schl%C3%BCssiges_Handeln

Zur Not erfindet man sogar noch eine Schein-Oppositionspartei und nennt sie »Alternative«. Man tut so, als wäre sie ein »Schmuddelkind«. Gleichzeitig lässt man sie streitbare, populäre Themen besetzen, an denen sich die Altparteien nicht verbrennen wollen und sorgt dafür, dass sie eine hohe Medienpräsenz bekommt. Was die meisten nicht verstehen ist, dass diese Konstruktion ein Überdruckventil darstellt. Die künstliche Polarisierung erweckt den Anschein, dass der einfache Bürger mitbestimmen kann und seine Wahlentscheidung wichtig wäre. Wer es glaubt, wird selig.

Die Schein-Alternative will keinen Schritt in Richtung Demokratie, keine Änderungen am Geldsystem, keine leistungsbasierte (ich meine wirklich Leistung und nicht Besitz) Verteilung im Gemeinwesen, keine Abschaffung von Steuern auf Einkommen aus geleisteter Arbeit, keine Abschaffung von »Sozialabgaben« … keine Abschaffung von HartzIV, keine Einführung einer bedingungslosen Grundversorgung, keine Abschaffung von Massentierhaltung und so weiter und so weiter. »Merkel muss weg« ist eine Lösung für was?

 

»Eine zynische, käufliche, demagogische Presse wird mit der Zeit ein Volk erzeugen, das genauso niederträchtig ist, wie sie selbst.« Joseph Putlitzer

 

Da ist keine »Alternative« im Parteienspektrum oder am Parteienhorizont. Ein Gemeinwesen, welches sich dem Ziel verschreibt für das gute Leben aller zu sorgen, braucht keine Parteien und kein Parlament. Unverzichtbar sind dagegen helle Köpfe. Die Oligarchen aus Wirtschaft, Finanzen und Politik und deren Medien schicken Dich von »rechts« nach »links« und/oder umgekehrt. Sie lassen Dich vergessen, dass es ein »Oben« und »Unten« gibt. Aber da liegt genau der Hase im Pfeffer. Was sich heute in der Horizontalen entwickelt ist das Ergebnis des Widerspruchs zwischen »oben« und »unten«. Lass Dich nicht verarschen. Nutze Dein Gehirn und formuliere Deine eigenen Ziele und Wünsche an die Gemeinschaft. Kein Politiker oder Partei wird sie Dir erfüllen.

Kinder, welche bei einem Spiel nie gewinnen, werden es irgendwann nicht mehr spielen oder sich auf andere Regeln einigen, wenn sie selbst die Spielentwickler sind. Da sind Kinder den Erwachsenen überlegen. Die Erwachsenen haben diese Erfahrung scheinbar vergessen. Sie nutzen eher die Eigenschaft, sich sklavisch anzupassen. Viele trösten sich selbst:

 

 

»Eines Tages wird alles gut sein, das ist unsere Hoffnung. Heute ist alles in Ordnung, das ist unsere Illusion.«  Voltaire

 

So kommen Sie nicht in die Verlegenheit, etwas unternehmen oder sich wenigstens über mögliche Veränderungen Gedanken machen zu müssen. Die Spielregeln der parlamentarischen Demokratie sind so angelegt, dass der einfache Mensch bei Wahlen nicht gewinnen kann und vom Regieren abgehalten wird. Im Gegensatz zur klassischen Demokratie muss er sich von Abgeordneten (nur dem eigenen Gewissen verpflichtet), Parteien (Ideologie) und Parlamenten (Parteiinteressen) gegenüber einer Regierung vertreten lassen. Das ist ein wirklich schlechter Witz. Eine Partei zu wählen, ein undefinierbares »Etwas«, was selbst kein aktives Wahlrecht ausüben kann, ist ebenfalls ein Hohn für die demokratische Idee. Da wird eine ordentliche Portion Dummheit beim »Wahlvolk« vorausgesetzt. Stattdessen macht die Geschichte vom kleineren Übel die Runde. Was tut man nicht alles, um Menschen an die Urnen zu bekommen, damit der diktatorische Charakter der aktuellen Ordnung nicht offenbar wird. Auch das kleinere Übel bleibt ein Übel. Wenn Vater und/oder Mutter ihre Kinder dreimal täglich verprügeln sind sie Schläger. Sie bleiben Schläger, selbst dann, wenn sie die Prügelei auf einmal am Tag reduzieren. Weniger Schläge und/oder das kleinere Übel sind keine Lösungen.

 

Ach, da war noch etwas: Der penetrante Aufruf unbedingt zur »Wahl« zu gehen, weil man diese oder jene Kräfte damit schwächen oder stärken könne. Der »Wähler« soll nun richten, was die ach sooo demokratischen Parteien, Parlamente und staatlichen Institutionen mit ihrer Politik in den letzten 68 Jahren erst möglich gemacht haben? Unmenschlichkeit und Ungerechtigkeit fallen nicht einfach so vom Himmel. Sie waren und sind Grundbestandteil des aktuellen gesellschaftlichen Systems. Mal schwächer, mal stärker. Keine Wahl wird daran etwas ändern. Das Gegenteil ist der Fall. Die Auswahl zwischen mehr oder weniger Freiheit ist da ein schwacher Trost, wenn man eigentlich in Freiheit leben möchte. Freiheit ist alternativlos.

 

Machs gut, halt die Ohren steif und lass Dich gegen niemanden aufhetzen und hetze gegen niemanden. Die moderne Hirnforschung weiß, dass das Gehirn darauf konditioniert ist, so viel wie möglich faul zu sein, um Energie zu sparen. Beim Fernsehen geht es besonders gut. Also, wie immer: Lass die Glotze aus.

 

Viele Grüße
Dein Mitmensch

 

P.S.: Die parlamentarische Parteiendemokratie, von den den Vätern der US-amerikanischen Verfassung (Madison, Hamilton, Jay) entwickelt, wird den Menschen heute als »Friss oder stirb. Wir haben nichts anderes.« verkauft. Für ein Prozent von ihnen ist sie tatsächlich ein Allheilmittel, aber für 99% eine mehr oder weniger bittere Pille mit sehr unterschiedlichen Heilungschancen und Nebenwirkungen bis hin zum Tod. Ich bin von der Unwirksamkeit dieser Medizin überzeugt und mag den Nachgeschmack nicht. Deshalb verweigere ich ihre Einnahme.

»Das Problem zu erkennen, ist wichtiger, als die Lösung zu erkennen, denn die genaue Darstellung des Problems führt zur Lösung.« Albert Einstein

 

Ein wenig Lesestoff:

 

Die Wahrheit über die Demokratie
Prof. Rainer Mausfeld über das absehbare Ende der „Demokratie”. Exklusivabdruck aus dem Buch „Fassadendemokratie und Tiefer Staat”.

 

Die repräsentative Demokratie frisst ihre Kinder

 

Was bedeutet Demokratie?

 

Zur Produktion politisch in/kompetenter Bürger

 

Unsere sogenannte Demokratie

 

Abschaffung der politischen Parteien

 

 

 

 

 


Kommentare   

 
+3 # MathePeter 2017-09-22 15:56
Danke, lieber Carlo

Eine gute Sicht der Dinge:
Warum immer wieder Dinge tun, die nach aller Erfahrung sinnlos sind und nichts, aber auch gar nichts ändern.

Auch der Versuch andere aufzuklären:
unnütze Sisyphusarbeit.

Mit allem vergeuden wir nur sinnlos unsere!!! Kraft.

liebe Grüße an Dich und alles Gute für Dich. Auch an alle treuen Leser von Dorfling, die es nicht lassen können, diese Seite immer wieder zu besuchen.

MathePeter
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+2 # Carlo 2017-09-25 19:48
Vielen Dank, Peter. Vielleicht betrachtest Du das mit der Sisyphusarbeit mal unter einem anderen Winkel.

Ich sage es mit Goethe:
»Eine falsche Lehre lässt sich nicht widerlegen, denn sie ruht ja auf der Überzeugung, dass das Falsche wahr sei. Aber das Gegenteil kann, darf und muss man wiederholt aussprechen.«

Ich habe Ewigkeiten und viele Wiederholungen gebraucht, um zu verstehen, dass die ökonomischen Lehren im Zusammenwirken mit dem Rechtssystem genau den gesellschaftlichen Rahmen schaffen, den man mit (Partei)Wahlen, Parlamenten und Berufspolitikern nicht durchbrechen kann. Dabei sind humanistische Lösungen so einfach. Die Menschheit braucht keine »ökonomischen«.

Also lass uns weiter unser Wissen teilen. Entwicklung durch Transformation braucht Zeit. Vielleicht lässt sich dieser Prozess mit der Wiederholung und Vertiefung von Wissen und folgender Wissenserweiterung beschleunigen.
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